Die Geschichte der Burg und des Schlosses

Inmitten des Marktes Dešenice, südlich der Kirche, direkt am Wegweiser einer gelben Touristenmarkierung, steht eine Burg (oder ein Schloss), die vermutlich in das 14. Jahrhundert zurückreicht. Die ursprünglich gotische Burg wurde später im Renaissance Stil  umgebaut. Der älteste Baukern ist im mittleren Teil des Baukomplexes zu finden. Später wurden weitere Gebäude dazu angebaut. Der ältere Teil wird durch einen kleinen Hof von dem jüngeren getrennt. Der jüngere, zum Marktplatz zugewandte Teil mit dreistöckigem Turm stammt aus dem 16. Jahrhundert und wird manchmal als Schloss bezeichnet.

Der Name Dešenice wird 1272 zum ersten Mal schriftlich erwähnt in einer Urkunde des Prämonstratenserinnen-Klosters Chotěšov, wo ein Rudiger (Rydkéř) von Dešenice als  Zeuge  genannt wird. Im Steuerregister des Pilsner Kreises wird 1379 Racek, der dem Geschlecht Kanický von Čachrov entstammte, als Besitzer des relativ umfangreichen Guts Dešenice genant. Zum Gut gehörten damals die Dörfer Milence, Matějovice, Žíznětice, Březí, Třebov, Děpoltice und Datelov.
Im 15. Jahrhundert besaß Oldřich von Paběnice das Gut und dann sein Sohn Vilém. In der Zeit der Hussitenkriege war  Ctibor, der Sohn Drslavs, der Besitzer. Dieser wirkte in den 50-er Jahren des 15. Jhd. als Krieger in fremden Diensten, z. B. beim Herzog Ludwig von Bayern. 1481-88 gehörte das Gut Dešenice dem Stach von Hrádek.
Das Geschlecht Dešenský von Dešenice, in älterer Literatur seit dem 13. Jhd. erwähnt, siedelte sich in Dešenice erst gegen das Ende des 15. Jhd.  an, wo der Klattauer Kaufmann Jörg Siber (+ 1505, sein Grabmal ist in der Dechanteikirche zu Klatovy zu finden) das Gut Dešenice kaufte. Seine Nachkommen nahmen den Namen des Gutes über und nannten sich danach Dešenský von Dešenice. Jiří und Volf Dešenský verkauften 1533 Dešenice an Tristram von Předenice (+1570), der das Gut noch erweiterte. In dem Kaufkontrakt von 1533 wird die Burg zum ersten Mal angeführt. Das Geschlecht der Předenický von Předenice ließ die Burg in Rennaisance-Stil herrichten. Während einer Renovierung im Frühling 2015 wurden zwei Wappen entdeckt, die an die Eltern Tristrams von Předenice, den Ctibor von Předenice und seine Frau Margarete Běšinský von Běšin, hinweisen. An die Familie Předenický erinnert auch ein Rest von Wappengalerie im ehemaligen Tafelsaal, wo eine lesbare Inschrift  am Wappen des Herren Jiří Harant von Polžice und Bezdružice und seiner Frau Mariana Harantová von Předenice bisher zu finden ist.

1570 wurde Tristrams Sohn Adam von Předenice zum Besitzer des Guts und der Burg zu Dešenice. Dieser war Königsrat und kämpfte  seit 1594 mit einem Landesaufgebot in Ungarn (Kriege gegen die Türken). Er bemühte sich, seine sechs Töchter gut zu verheiraten, deswegen pflegte er oft „Schmäuse zu halten“ (nach August Sedláček). Bei solchen Anlässen kam es jedoch oft zu Raufereien, von denen eine, die 1595 bei der Hochzeit einer der Töchter mit Vilém Tluksa von Vrábí entstand, besonders bekannt wurde. Nach Adams Tod  1603 wurde Vilém Tluksa von Vrábí zum Besitzer der Herrschaft. Seine Nachkommen besaßen das Gut durch die dramatische Zeit des Dreißigjährigen Kriegs hindurch bis 1686, wo Rudolf Hynek Tluksa von Vrábí dies an die Kolowrater verkauft hat. Rudolfs Mutter, die Gräfin Eva Lažanská von Buková, verwaltete das Gut, während ihr Sohn seine Kavalierstour durch Europa machte. Diese Dame erneuerte 1670 die Pfarrei in Dešenice (bis zum Dreißigjährigen Krieg hatten die Protestanten die Pfarrei innegehabt), ließ die St. Nikolaus Kirche renovieren  und strebte danach, das Dorf Dešenice zum Markt mit Wochenmarktrecht zu erheben. Dies gelang ihr jedoch nicht wegen dem Widerstand der Märkte Nýrsko und Strážov. Anlässlich des Verkaufs an die Kolowrater wird ein Brauhaus erwähnt, obwohl Josef Blau dieses bereits auf das Jahr 1615 datiert (in der Gegend von Nýrsko soll es damals nur zwei Brauhäuser gegeben haben – das eine in Bystřice nad Úhlavou und das andere in Dešenice). 1664 ließ Johann Zofca zur Erinnerung an einen verstorbenen Braumeister Matheus ein Kelch fertigen. Daraus ist zu schließen, dass ein Brauhaus da bereits vor diesem Datum bestand.  Nachgewiesen ist jedoch die Existenz eines solchen Betriebs erst für das Jahr 1686, als das Gut Dešenice verkauft wurde.
Das Geschlecht Tluksa von Vrábí war das letzte, das das Schloss Dešenice als Residenz nutzte. Den Kolowratern diente es danach nur noch als Wirtschaftshof.

Von 1729 blieb eine wertvolle Beschreibung erhalten, wo das Schloss als ein altes, aus Stein gemauertes, mit Schindeln gedecktes Gebäude bezeichnet wird. Ein Teil des Schlosses war in einen Speicher verwandelt (vermutlich der heutige sog. Renaissance-Saal). Der Schlossturm stand ohne Dach. Im Schloss befanden sich eine Burggrafwohnung und mehrere andere Zimmer. Am Schloss gab es einen Obstgarten mit einem Gärtnerhaus. Das Brauhaus stand derzeit im hinteren Teil des Schlosses, war aus Stein gemauert und besaß eine kupferne Braupfanne für  8 Fass, einige Kühlstöcke, eine Schwelke, eine eingewölbte Darre und  eine Tenne mit Quellstock. Es befanden sich dort auch die Wohnung des Braumeisters, zwei gute Keller, ein Eiskeller, ein Gärkeller und eine Binderwerkstatt. Das Schloss wurde dabei auf 500 Schock Groschen, das Brauhaus auf 600 Schock Groschen geschätzt. Außerdem befand sich im Schloss eine  Weinbrennerei, auf 50 Schock Groschen geschätzt.
Um die Mitte des 18. Jhd. ließ Prokop Kolowrat Krakowski das Schloss im Barockstil umbauen, wobei der Renaissance-Charakter des Baues jedoch erhalten blieb. Zu dieser Zeit wurde sogleich die St. Nikolaus Kirche umgebaut. Sie bekam einen polygonalen Schluss und ein neues Barockaltar, vom Dešenicer Holzschnitzer Jakob Prantl geschaffen. Die Kolowrater verkauften die Herrschaft samt dem Gut Janovice und Veselí und sechs Freigerichten im sog. Künischen Waldhwozd 1757 an den Graf Josef Palm Gundelfingen.  Dadurch wurde nun Dešenice für die ganze nächste Zeit an die Herrschaft Bystřice nad Úhlavou angegliedert. 1838 kam diese Herrschaft an das Fürstengeschlecht Hohenzollern Sigmaringen über. In Dešenice bestand so eine fürstliche Brauerei bis 1928. Um die Mitte des 19. Jhd. wurde diese erweitert und modernisiert. Es wurden ein neues Sudhaus (heute der Klubraum der Freiwilligen Feuerwehr) mit Feuerung und Tenne erbaut und die Lagerkeller erweitert (die befinden sich unter den heutigen Räumen des Gemeindeamts). Die Brauerei wurde verpachtet. Ihre Prosperität hing von nun an von der Person des Braumeisters ab. 1928 wurde sie an die Aktienbrauerei Stod verkauft und die Bierproduktion wurde allmählich gedämpft. Das letzte Bier war hier 1946 gebraut. Bis zum Ende der 50 er Jahre diente das  Schloss als Sitz des Direktorats des Staatlichen Guts Dešenice. Von dieser Zeit stammen zahlreiche Wirtschaftsgebäude im Schlossgelände. Zugleich wurde die ehemalige Burg baulich umgestaltet.
Um die Mitte der 90 er Jahre des 20. Jhd. kam das Schloss (die Burg) an die Gemeinde über und wurde mit Hilfe von EU Mitteln in zwei Etappen renoviert. Ein Teil des Gebäudes beherbergt das hiesige Gemeindeamt, die Waldverwaltung, die örtlichen Vereine und die Gemeindebibliothek. Der sog. Renaissance Saal (ehemaliger Speicher, später Schalander) dient heutzutage als Trauungssaal. In dem anderen Teil wurde das Brauereimuseum errichtet, das auf die einigen hundert Jahre alte Tradition des Bierbrauens in Dešenice weist.

Wo finden Sie uns

MUZEUM ŠUMAVSKÉHO PIVOVARNICTVÍ DEŠENICE
Dešenice 1, 34022 - Dešenice


 +420 376 571 531
 muzeum@desenice.cz